Winterfütterung

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Heulage als Alternative ?

Die Vorteile der durch Fermentation haltbar gemachten Rohfaser liegen klar auf der Hand. Heulage ist besonders nährstoffreich und staubarm, unabhängiger wie Heu vom Wetter zu produzieren und leicht zu lagern. Die Nachteile der Heulage sind u.a. die Tatsache, dass Heulage ein saures Futter ist und biogene Amine wie Histamin enthält, die bei Eseln zu Durchfall und Fehlgärungen führen kann . Ebenso besteht die Gefahr an tödlichem Botulismus zu erkranken. Über das Argument, die Heulage müsste fachgerecht hergestellt werden, kann man streiten. Eine saubere Milchsäuregärung braucht einen kompletten Luftabschluss. Ansonsten kommt es zu Fehlgärungen und zur Schimmelbildung. (Ist an einem Silageballen äusserlich schon Schimmel zu sehen, ist der Ballen bis in den Kern toxisch. Aber auch ohne sichtbare Stellen von Schimmel, ist eine Kontaminierung sehr wahrscheinlich.)Selbst wenn alles fachgerecht hergestellt wurde ,bleibt Heulage ein saures Futter mit hohem Histamingehalt.

Da Pferde wie auch Esel , auf fehl-gegorende Silageprodukte (im Gegensatz zu Rindern) sehr empfindlich reagieren (von der Erkrankung der Stoffwechselorgane mit ihren Folgewirkungen wie Gelenksentzündungen, Muskelschmerzen, etc., bis zu Hautaffektionen und schwersten Koliken) und eine durchgehend saubere Silierung von geeignetem Gras kaum möglich ist, ist auf die Verfütterung von silierten Produkten zu verzichten, sofern dem Eselbesitzer etwas an der Gesundheit und Leistungsfähigkeit seines Tieres liegt.

Gutes Futterstroh ist schlechtem Heu vor zuziehen !

Gersterstroh

Wer im Winter genug Futterstroh hat, ist fein raus. Stroh liefert eiweiß-arme Energie, die satt macht und nicht in den Kopf steigt. Gerade im Winter ist der Energiebedarf höher und steigt durch die sinkenden Temperaturen an. Drei Kilogramm Stroh liefern so viel Megajoule wie fast eineinhalb Kilogramm Hafer. Obschon die Verdaulichkeit gering ist und nicht alles verwertet bzw. resorbiert wird , verfügt Stroh über einen bedeutenden Gehalt an Mineralstoffen. Gersterstroh wird oft auf Grund der Schmackhaftigkeit bevorzugt.

Wer seinen Esel auch im Winter fit halten möchte, der tut gut daran auf eine gute Qualität von Heu und Stroh zu achten. Heu sollte in Hinsicht auf die Vitaminversorgung eine grüne Farbe besitzen und vom Erntejahr sein. Die Energieversorgung des Esels sollte an dem ,was er macht, (Kutsche ziehen,Training,Zucht) und der Außentemperatur angepasst werden. Auf eine Versorgung mit hochwertigen Mineralstoffen, eventuell Vitaminen und Kräutern zum Ausgleich einseitiger Heurationen muss man achten.Durch Kälte sind auch Energieverluste zu erwarten.
Wenn ältere oder kranke Esel im Winter abmagern, muss dringend zu gefüttert werden. Dazu eignet sich gequetsche Gerste oder auch hoch aufgeschlossenen Maisflocke.Die schwer verdauliche Stärke des Mais kann allerdings bei größeren Mengen die Darmflora schädigen. Gibt man Hafer, um den steigenden Energiebedarf zu decken, kann es problematisch werden. Obschon Hafer sehr rohfaserreich ist, ist der Energiegehalt in Relation zu seinem Eiweißgehalt nicht so hoch wie der von Gerste.Manche Esel reagieren  nicht kalkulierbar auf erhöhte Hafermengen. So bleiben dann von den klassischen Getreidesorten nur Dinkel und Gerste, die jedoch auch aufgeschlossen verfüttert werden sollten.   Veredeln kann man das Ganze  mit Mineralfutter und eventuell einer Kräutermischung .  Eine interessante und für den Dickdarm gut verträglich Energiequelle stellen auch Heutrockenprodukte wie Wiesencobs oder Luzernemischungen dar.Wer  Luzerne füttert , muß damit rechnen,das sein Esel ab und an eine  rot/braun Färbung des Urins hat.Es ist nichts schlimmes.Luzerne enthält  Betain wie auch die Rote Beete. Betain wird zwar in den Körper aufgenommen , kann dort jedoch nicht immer ganz abgebaut werden  und wegen mangelnder Nutzungsmöglichkeiten postwendend über den Harn wieder ausgeschieden. Betain für die Gesundheit Selbstverständlich kann man auch die Fütterung von Öl  mit Energie anreichern. Immerhin ist Öl mit etwa 37 MJ pro Liter die energiereichste Nahrungsquelle.
Wenn ausgewachsenen Eseln (Normaleselgröße) im Winter Heu satt gegeben wird,sie kaum bis gar nicht extra bewegt werden , können sie verfetten. Besser ist es, ihnen nur 1 kg pro 100 kg Lebendmasse zu geben.Um kein Defizit der Raufuttermenge zu haben, gibt man gutes Futterstroh zur freien Verfügung. Nur Esel, die arbeiten müssen wie Kutsche fahren, reiten, ausgiebige Wanderungen machen oder in der Zucht eingesetzt werden , sollten immer Heu zur Verfügung haben  . Ein ausgewachsener Esel ,der keinerlei Arbeit verrichtet , benötigt außer Mineralfutter zum Heu/Stroh kein weiteres Futter.Ein Esel,wie auch das Pferd ,ist täglich 10 bis 16 Stunden mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt.Raufutter sollte immer zur Verfügung stehen,es ist  wichtig für die Erhaltung seines Verdauungssystems.Das Hungergefühl eines Esels/ Pferdes wird aber -anders als beim Menschen- nicht über die Füllung des Magens gesteuert, sondern über die Befriedigung des Kaubedürfnisses.

Schlechte Rohfaserqualität darf nicht sein !

Mit großer Verwunderung stellt man öfters fest, dass Esel im ersten Jahr schlechter Rohfaserfütterung zunächst keine gesundheitlichen Veränderungen zeigen. Die Folgen einer schlechten Heu- und Strohernte zeigen sich jedoch meist erst verheerend im darauf folgenden Jahr. Die angegriffene Leber, die durch die Winterfütterung mit dem Abbau von Stoffwechselprodukten und Giften schimmeligen Grundfutters voll ausgelastet war, revanchiert sich im darauf folgenden Jahr am Immunsystem . Sprich, die Anfälligkeit für Bronchialerkrankungen, Durchfall, Koliken und Ekzemen steigt dann im Frühjahr rapide an. Wer keinen anderen Ausweg sieht, sollte zumindest die Leber mit entsprechenden Kräutermischungen unterstützen und entgiften.

Vitaminzufuhr im Winter sichern

Die Zufuhr von Mineralien, insbesondere Spurenelementen, ist das ganze Jahr und vor allem im Fellwechsel sehr wichtig. Ist aber eine zusätzliche Vitaminversorgung im Winter wirklich grundsätzlich notwendig oder decken natürliche Quellen den Bedarf ?

Bei täglichem Weidegang im Sommer ist eine Versorgung mit den fettlöslichen Vitaminen A (aus Carotinoiden, v. a. ß-Carotin), Vitamin D, Vitamin K und eventuell auch Vitamin E nahezu gesichert. Fettlösliche Vitamine werden zudem auch mehr oder weniger lang in der Leber gespeichert. Eine zusätzliche Vitaminzufuhr mit den fettlöslichen Vitaminen im Winter ist für die Esel wichtig, die entweder nicht das ganze Jahr über die Möglichkeit des Weidegangs haben, unter schlechter Rohfaserqualität leiden oder ein erhöhter Bedarf durch Zucht oder sportliche Aktivitäten vorliegt.

Die Versorgung mit den wasserlöslichen Vitaminen C und B erfolgt körpereigen bzw. im Darm, besonders dann, wenn ein gutes Klima für die dort lebenden Mikroorganismen besteht. Das geschieht unabhängig von der Graszufuhr das ganze Jahr über. Hier werden nur sehr selten Mangelzustände beobachtet. Biotin abhängige Hufprobleme oder eine gestörte Darmflora können die Zufütterung der Vitamine des B-Komplexes unabhängig von der Jahreszeit aber abhängig von Alter und Gesundheitszustand nötig machen. Als natürliche und zuverlässige Quelle von Vitamin B gilt die Bierhefe.

 

Karotten Karotten sichern die Beta-Carotin-Zufuhr

In der Leber wird beim Weidegang während des Sommers ein Vorrat von fettlöslichem Vitamin A angelegt. Vitamin A entsteht durch die enzymatische Spaltung von ß-Carotin, das – als Provitamin bezeichnet – reichlich im Frischgras vorhanden ist. Während der Winterzeit bzw. bei Stallhaltung kann der Vitamin A-Bedarf auf natürliche Weise mit Karotten und Roter Beete erfolgen. Zwei Kilogramm Karotten liefern dabei ausreichend ß-Carotin für ein ausgewachsenen Großesel. Auch maschinell getrocknete Grasprodukte wie Wiesencobs oder Grünmehl liefern reichlich ß-Carotin. Bei Zuchttieren, reiner Stallhaltung, schlechter oder alter Heuqualitäten, ist der Bedarf erhöht, so dass eine Zufütterung von Vitamin A nötig sein kann.

 

Das „SonnenVitamin D

Laut Prof. Meyer („Pferdefütterung“) ist nicht wirklich nachgewiesen, dass Pferd und Esel,also die Equiden einen Vitamin D-Mangel entwickeln können. Obschon nahezu alle Säugetiere Vitamin D durch Sonneneinstrahlung in der Haut bilden, ist dies explizit für die Equiden noch nicht nachgewiesen. Man geht aber grundsätzlich bereits davon aus. Nichts desto trotz wird ein Bedarf von etwa 3000 I.E (Internationalen Einheiten) beim Pferd als Empfehlung angegeben. Vitamin D entsteht in Pflanzen durch UV-Strahlung, z.B. in sonnengetrocknetem Heu und ist daher im Regelfall reichlich vorhanden, wobei bereits etwa vier Kilogramm sonnengetrocknetes Heu den Vitamin D- Bedarf eines Großesels decken. Weniger Vitamin D befindet sich in maschinell getrockneten Produkten. Da durch fehlende Sonneneinstrahlung oder reine Stallhaltung im Winter weniger Sonnenlicht zur Verfügung steht und die Heuqualität oft schwer beurteilbar ist, sollte im Zweifelsfall mit dem Mineralfutter etwas Vitamin D zugeführt werden. Zu beachten ist auch, dass Esel mit Decke auf der Wiese weniger Vitamin D bilden können als die, die sich ohne Decke in der Sonne aufhalten.

Ist Vitamin K notwendig?

Vitamin K ist nicht nur reichlich in Grünfutter enthalten sondern wird im Allgemeinen in ausreichender Menge von den Bakterien der Dickdarmflora der Esel gebildet. Eine kranke Darmflora oder überaltertes Heu könnten eine zusätzliche Zufuhr nötig machen. Natürliche Vitamin K-Quellen sind Grünmehl oder Wiesencobs.

Natürliches Vitamin E ist die bessere Wahl

Das einzige fettlösliche Vitamin, bei dem es relativ rasch zu sichtbaren Mangelerscheinungen kommt, ist Vitamin E, welches mittlerweile auch in natürlicher Form verfügbar ist, die entsprechenden Produkte aber relativ teuer macht. Den meisten Futtermitteln wird daher nur synthetisches Vitamin E zugefügt. Es ist allerdings bei weitem nicht so wirksam wie natürliches Vitamin E, das hocheffizient auch bei kleineren Mengen wirkt und zudem bis in die Peripherie der Zelle gelangt und dort Zell-schützend wirken kann.Zusammen mit dem Spurenelement Selen und der essenziellen Aminosäure Lysin schützt das hochdosierte Vitamin E vor Muskelverspannungen (besonders im Rücken und in der Kruppe). Der optimierte Muskelstoffwechsel verbessert die körperliche Belastbarkeit, Leistungsbereitschaft und Kondition. Vitamin E-Produkte können ohne Gefahr von Nebenwirkungen über einen längeren Zeitraum gefüttert werden.
Die Weide- bzw. Grasfütterung im Sommer bietet eine gute Versorgung mit natürlichem Vitamin E. Im Winter ist das so nicht möglich. Hier gilt Weizenkeimöl als beste Vitamin E-Futterquelle, gefolgt von Sonnenblumen- und Maiskeimöl, die allerdings kalt gepresst gewonnen sein sollten. Esel,die auch im Winter an Aktivitäten teilnehmen so wie Zuchttiere haben einen besonders hohen Bedarf an Vitamin E.

Ein Gedanke zu „Winterfütterung

  1. Pingback: Januar 2016 | Esel am bloggen

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