Weitere Erfahrung zur Heufütterung

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EselflüstererDie Vorgeschichte dazu – Sommer 2015 hatte ich super gutes Heu ,aber alles Gute hat einmal ein Ende. Der Landwirt hatte vom gleichen Schnitt zum gleichen  Zeitpunkt (Sommer 2014)  weitere Heurundballen gemacht . Der Haken an der Sache – er wurde beim Pressen vom Regen überrascht. Das Heu wurde aber wieder ordnungsgemäß gewendet,getrocknet und gepresst.Kein Gramm Schimmel oder ähnliches. Nur – es riecht nicht nach Heu und sieht „verwaschen“ und braun aus.
Erst gab es „lange Nasen“ bei meinen Eseln und  Stroh wurde lieber gefuttert.   So nach 3/4 Tagen wurde es  gefressen.Ich habe aber immer das Gefühl gehabt, ihnen fehlt etwas. Sie fressen es,aber nicht mit Freude .Ich hatte vorher auch einen Test-Rundballen, bei dem mir innerhalb einer Woche noch nicht so viel auffiel. Aber jetzt,wo länger gefressen wird,spüre ich am Verhalten (Unzufriedenheit,Unruhe ) und am Aussehen ,das etwas fehlt.
Es wurde auch länger wie üblich bei diesem Heu „gemäkelt“. Bei guten Heurundballen von einer Weide ,die geringfügig unterschiedlich sind,wird 1-2 Tage „gemäkelt“, Das ist normal für die Langohren. Aber bei diesem Heu war es anders !.
Für einen Teil meiner „Damen“ und „Herren“  ist das Heu ganz gut zum Abnehmen. Aber meine meisten Eselchen sind „Jungspunte“,also im Wachstum,tragend oder haben ein Fohlen.All diese benötigen Proteine.Bei der Stute mit Fohlen hatte die Milchleistung wohl  nach gelassen,sie selber sah auch dünner aus.Da gab ich schon  mehr Zuchtfutter .Der Kleine futterte schon ordentlich seine Pellets und wollte  schon Wasser trinken.
Habe dann im Internet gestöbert und fand den Namen einer Amerikanerin , Kathryn Watts. Sie hat gewaschenes Heu ,mehrere Sorten, untersucht.  Ist sehr interessant – Heu hat eine  Zuckerreduktion nach 30 Min. von 18,9 % und bei 60 Minuten in kaltem Wasser  30,7% . . Die Amerikanerin meint auch,wenn man länger wässert, wird mehr  Zucker ausgespült .. Auch geht aus ihrer Arbeit hervor,das Kalium  ausgespült wird. Hier ihre Arbeit. (Wenn die Englischkenntnisse nicht so gut sind , kann man die PDF einfach bei Google zum Übersetzen eingeben )
http://www.safergrass.org/pdf/SoakReport2.pdf
Also wenn Zucker hungrig macht,dann ticken meine Esel falsch.  ;) Die gleiche Heumenge, die ich immer füttere,ist schnell leer und dann wird getrötet. Sie haben definitiv mehr Hunger,irgendwie sind sie immer auf der „Suche“ . Vorrangig die Tiere ,die tragend,mit Fohlen oder im Wachstum sind.
Alle nahmen sie dann vermehrt Gersterstroh,so dass ich kaum nach kam. Das hat mir zu denken gegeben und ich habe  „geforscht“. In der Arbeit der Amerikanerin wurde von Kalium geschrieben ,da habe ich angesetzt.Dabei meine Esel immer genau beobachtet.  Schon wenn man Kartoffeln,sehr Kalium-haltig ,kocht, ist das gesamte Kalium im Kochwasser.Wie wichtig ist Kalium für uns Lebewesen ?
Hier eine interessante – PDF Kalium/Magnesium
Die Inhaltsstoffe vom Stroh .-  Gerste/Weizenmischung habe ich  auch gefunden

Zitat

Analytische Bestandteile:

Rohprotein    2,70 %    Mangan    2,80 mg/kg
Rohöle und -fette    0,90 %    Kupfer    1,00 mg/kg
Rohfaser    42,90 %    Selen    0,02 mg/kg
Rohasche    5,80 %    Stärke    < 0,2 %
Calcium    0,24 %    Zucker    < 0,25 %
Phosphor    0,07 %    Fruktan    <0,25 %
Magnesium    0,07%    verd. Energie (nach GfE 2003)    5,20 DE MJ /kg
Zink    33,00 mg/kg    umsetzb. Energie (nach GfE 2014)    4,10 ME MJ/ kg

Ich vermutete,das Stroh würde genommen,weil es  Magnesium enthält.Über Magnesium wird das Kaliumlevel ja gesteuert.Aber es stellte sich raus, das einige wohl auch das Calcium als Basenbildner brauchten.
Wie schon geschrieben,habe ich meine Langohren genau beobachtet. So nach einer guten Woche fressen vom „gewaschenen “ Heu ,wurde das Stroh fressen nicht weniger ,eher mehr. Keine fröhlichen Jungtiere,alles immer noch auf der „Suche“. Eines Morgens kam ich in den Stall und das „Eselklo“  bzw der ganze Raum roch sauer. Jetzt mußte irgend etwas geschehen.Denn wenn der Urin sauer riecht ,ist das Säure/Basenverhältnis nicht in Ordnung.  Ich hatte meine Fohlen führende Stute „Ela“ in Verdacht,habe den PH-Wert des Urins gemessen und bingo- saure Reaktion.  Ich kam auf diese Seite –
Zitat-
Kaliumgehalte im Getreide

Der Kaliumgehalt von Futtermitteln wird routinemäßig eher selten untersucht. Während  Gehalte in erster Linie von  Gras- und Maissilagen vorliegen, sieht es bei Getreide dürftig aus.Da Kalium z.B. im Säuren-Basen-Haushalt  (DCAB) von Bedeutung ist, wurden jetzt einige Getreideproben untersucht, um aktuelle Werte zu erhalten.

Kaliumgehalte im Getreide
 

Mittelwert
%

Min
%

Max
%

Weizen

0,41

0,35

0,46

Gerste

0,43

0,36

0,48

Ein Zuviel an Eiweiß, aber auch ein Mangel im  Mineral – und Elektrolytstoffwechsel  führen in der Regel zu einer Übersäuerung.  Kalium ist das 3.- wichtigste Mineral.bei uns Lebewesen.Durch Muskelarbeit werden Basen verbraucht. Bei der Atmung wird Bikarbonat (eine Base) verbraucht. Zum Neutralisieren der bei der Muskelarbeit entstehenden Milchsäure werden Basen verbraucht.  Mit dem Blut wird die Säure dorthin transportiert, wo sie entsorgt werden kann: in die Lunge, wo Kohlensäure mit dem Atem als CO2 ausgeschieden wird, in die Niere, die Säure mit dem Harn ausscheidet, sowie in die Schweißdrüsen der Haut und in den Darm.
Bei einer Übersäuerung versucht jeder Organismus – und das gilt für Tiere ebenso wie für Pflanzen und den Menschen – irgend woher Basenbildner wie z.B. Calcium zu bekommen – zur Not aus dem eigenen System; sprich bei Mensch und Tier aus den Knochen.Somit sind Gelenkerkrankungen vorprogrammiert.
Nach dem ich das jetzt alles wußte,  habe ich 2 und 2 zusammen gefügt und erst nur etwas gequetschte Gerste gegeben.Vorher sah ich nämlich auch einige Jungtiere,3jährig,wie sie plötzlich wieder Wachstumsprobleme hatten.Zu dem hatte meine COPD– Stute wieder größere Lungen-Probleme und verstärkt Husten.Die kleine Gerstegabe ändert schon bei den meisten ihr Verhalten. Gerste machte sie aber zu rund und so habe ich mehr Mineralfutter und/ oder Luzerne gegeben.So bekam ich den Säure- /Basenhaushalt wieder in den Griff. Ca 10 Tage später war dann die „Weidesaison “ und ich konnte wieder normal füttern .Die Weide hat die notwendigen Proteine,auch wohl Kalium und so kam wieder alles bzw alle auf ein normales Level.

Ein paar Punkte,wie es dazu kommen kann, das Zucker die Esel dick macht.

  1.  Gefressene Proteine  werden im Körper aufgesplittet in den einzelnen Aminosäuren.
  2. Diese Aminosäuren kommen dann in einen sogenannten Aminosäuren-Pool, von wo sie dann im Körper für verschiedene Stoffwechselprozesse zur Verfügung stehen. Unter anderem eben auch für den Muskelaufbau. Ein Aminosäurenüberschuss im Körper führt dazu, dass diese eben durch Gluconeogenese in Zucker umgewandelt werden.
  3. Dabei entsteht als Abfallprodukt  Harnsäure, das durch die Nieren im Urin ausgeschieden wird. Daher sollte immer ausreichend Wasser vorhanden sein,damit die Tiere auch viel trinken. Dadurch werden  die Nieren durch den hohen Eiweißkonsum nicht zu stark belastet  !
  4. Zurück zur Glucose (auch Zucker genannt). Glucose die nach der Umwandlung der Aminosäuren entstanden ist, wird entweder zur Energiegewinnung verwendet also vom Körper verbrannt, oder in die Glucosespeicher eingelagert und erst wenn diese Glucosespeicher auch voll sind, wird Glucose umgewandelt in Fett und landet  in den Fettdepots.

;). Ich hatte in 30 Jahren Eselhaltung nie Hufrehe und füttere gewaschenes Heu, es ist verrückt.  ;DAber das beweist auch,das die Fütterung von gewaschenem Heu bei Tieren mit Hufrehe gut beobachtet und mit Vorsicht gegeben werden sollte.

Nachtrag –
Seit ca Mitte August 2015  füttere ich frisches Heu. Das Verhalten der Esel brauche ich gar nicht zu beschreiben,kann es kaum beschreiben – sie haben sich auf jeden Fall sehr gefreut  🙂 .Ich mußte sie „bremsen“ beim Fressen,was sehr schwer möglich war . Das „gewaschene“  Heu lehnten sie jetzt kategorisch ab.Als 2.Wahl blieb mir Stroh.Einige reagierten mit Durchfall,andere mit Kotwasser. Ihr ganzer Stoffwechsel,die ganzen Lebensabläufe waren in Unordnung geraten. Ich habe dann zusätzlich noch homöopathisch behandelt und langsam pendelt sich alles ein.

 

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