November

Und wieder ist ein Monat vorbei. Der Monat Oktober war sehr aufregend und dadurch auch recht anstrengend.Langsam nämlich neigt sich das Jahr zu Ende, der Herbst ist da Herbststimmung und die Weidezeit ist dann bei mir vorbei. Im Oktober musste alles für die Winterzeit vorbereitet werden,denn im Winter sind alle Esel am Haus,  nur mit einem Auslauf. Alle rücken näher zusammen, was bei mehreren Hengsten teilweise ein Lebendige “Laubsauger”Problem sein kann. Die Planung muss stimmen, sonst habe ich im Winter Stress.
Die ersten Tage im Oktober verliefen relativ ruhig, zu dem war auch noch schönstes „Sommerwetter“. Das ist natürlich von allen Langohren begrüßt worden. Auch wir Menschen freuten uns. Zu Beginn der 2.Woche kam dann der erste Stress des Monats – 4 (!) Minieselstuten  amerik.Miniesel  an der Heuraufe fraßen abends nicht.  Mir war schon beim Holen von der Weide aufgefallen, das die besagten „Damen“ recht runde Bäuchlein hatten. Für die „Menge“ Gras, die zur Zeit noch auf der Weide ist,  war es untypisch . Es waren alles Jungstuten,  die normalerweise noch nicht so viel Bauch zeigen wie es bei Altstuten der Fall ist. Meine 1.Reaktion war es, die Darmgeräusche abzuhören. Teilweise mit bloßem Ohr, zur Sicherheit noch mit dem Stethoskop. Es waren schwache Darmgeräusche zu hören, alarmierend schwach. Meine Kleinen hatten eine Verstopfungskolik!  Zuerst gab es für alle 4 einen anständigen Schuß Paraffin-Öl (statt Paraffin-Öl kann man sogar Weizenkorn geben), danach 5 Globuli Nux vomica in die Backentasche, danach brachte ich die Süßen in Bewegung. Das letztere war gar nicht so einfach, denn bei den Bewegungen tut ja das Bäuchlein weh. Alle 15 bis 30 Min gab es Nux und viel Bewegung. Nach ca 3 Stunden waren die kleinen „Damen“ wieder wohlauf, so dass ich beruhigt ins Haus gehen konnte. Dort erwarteten mich 3 weitere Patienten – 1 kastrierter Kater  Tasko und meine beiden Männer mit Grippe.
Wo durch war die Kolik entstanden – in diesem Jahr war allgemein eine schlechte Strohernte und ich bekam außer langem Haferstroh noch Weizenstroh, aber sehr kurz. Normal für Equiden zu kurz. Also nur vermischt füttern. Und nun hatte ich 1 x wohl nicht ausreichend gemischt und schon hatten sich die Langohren voll Hunger das kurze Stroh rein gestopft, weil es ihnen besser schmeckt. An dem Tag war auch noch etwas Regen und es war windig,so dass die Bewegung auch fehlte. So kam eins zum anderen, was ja noch einmal glimpflich abgelaufen war.— –
Nicht immer läuft eine Kolik so glimpflich ab. Eine Kolik, zu spät erkannt bzw. zu spät behandelt, kann ohne Probleme zum Tode des Tieres führen. Koliksymptome sind bei Esel ein wenig anders wie beim Pferd. Ein Esel leidet stumm und ruhig, stellt sich abseits. Er wälzt sich selten. Wenn man den Bauch anfasst, ist er hart und angespannt. Es ist dem Esel unangenehm, eben, weil er Schmerzen hat. Der Esel frisst nicht. Man kann dem Tier sofort Nux vomica geben und dann den TA Bescheid sagen. Bis zum Eintreffen des TA´s kann man das Tier leicht bewegen, Nux vomica kann alle 15 Min gegeben werden. —-
Ich hatte ja noch das Integrieren von Jack und Mickey vor – aber das würde bestimmt nicht angefangen werden, wenn jedes weibliche Langohr, was nicht tragend ist, rossig ist. Jack sollte ja nicht auf Kraft an sein Hengstleben erinnert werden. So mußte ich damit noch warten, bis die Mädels nicht mehr rossten. Eine Woche  später ließ ich dann die beiden Großen zu der Normaleselgruppe  – Jack fing sich zuerst ein paar Tritte von den Damen ein, danach hatte er Nasenkontakt mit Fridolin, den Chefwallach (27 J)   bei den Damen. Ein kurzes Kauen beiderseits, ein schnelles Drehen von Frido  und „Kick“, Jack hätte es fast erwischt. Danach sammelten sich die Normalesel und flüchteten auf die andere Seite der Weide. Kein Interesse an weiteren Kontakt! Somit hatte ich jetzt 2 Herden auf einer Weide. Jack,Mickey ,NormaleselIn den Stall gingen wohl die Großen, aber dann blieb die andere Gruppe draußen. Also wurden Jack und Mickey zur Nacht wieder in ihren alten Stall gebracht. In den folgenden 10 Tagen änderte sich das Bild nicht, so dass ich das Vorhaben abbrach. Die Größe gehört zur Dominanz und das wissen die anderen auch und wollten keinen Kontakt. Außerdem hatten die Mädels Angst um ihren Nachwuchs, allen voran Peggy um Pearl. Falls Mickey  doch noch neue Besitzer findet, wird Jack allein zu den Normaleseln Rst Mickey Mouseumziehen. Dann ist die Situation eine andere – 1 Esel wird immer den Kontakt zur Herde  suchen und wird sich dieser  unterordnen bzw. einfügen.
Pearl hat inzwischen schon gelernt, das es Futter in einem Napf gibt und sie hat sehr gut das von mir angebotene Zuchtfutter gefressen. Anscheinend schmeckt es ihr. Es ist ja auch in dem Alter wichtig, gesund ernährt zu werden. – Fohlen können noch nicht sehr viel Raufutter (Heu) aufnehmen und somit trinken sie verstärkt Muttermilch.Man darf aber nicht vergessen,  das die Inhaltsstoffe der Milch nach 2 Monaten nachlassen und die Fohlen  nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Dabei sind sie im Wachstum. Immerhin wächst ein Fohlen im 1 Lebensjahr 60 % der Gesamtgröße. Wenn zu dem  noch Winter ist, können Mutterstute und Fohlen sehr schnell krank werden, weil das Immunsystem nicht richtig arbeitet.

Auch Esel, die arbeiten müssen wie Kutsche fahren, reiten, ausgiebige Wanderungen und auch die, die in der Zucht eingesetzt werden, sollten immer mit gutem Futter wie zB. Zuchtstuten mit Zuchtfutter unterstützt werden. Denn die Zucht ist die größte Beanspruchung für Eselstuten.
In den 10 Tagen habe ich dann zwischenzeitlich schon einige Verbesserungen an den Stallungen (alte Gebäude) vorgenommen – Dachpfannen ausgewechselt, Lampen nachgesehen, Einzäunungen verbessert usw., usw. Wenn dann das Wetter richtig herbstlich mit Regen , Sturm und Kälte wird, werden die Esel nur noch den Auslauf zur Verfügung haben. Sämtliche Litze werde ich dann entfernen und die Kühe dürfen dann überall noch nachsuchen. Irgendwann ist dann auch für sie nur noch der Auslauf da, aber dann ist schätzungsweise Winter.
Zwischenzeitlich hatte Sabrina ihre 1.Pilzimpfung bekommen. Sie hatte nämlich einseitig starken Hautpilz, den ich mit Waschen nicht in den Griff bekam. Merkwürdig war, das es bei ihr nur einseitig gewesen ist. Mir ist aufgefallen, das sie   grundsätzlich nur auf der anderen Seite liegt,  so dass diese immer vom Sand geschützt ist. Daran erkennt man schon wieder, wie wichtig es ist, das die Esel sich wälzen können, im Sand wälzen können.                                                             Der halbe Monat war jetzt um und hatte schon ausreichend Aufregendes gebracht, die nächste Hälfte vom Monat Oktober wurde aber noch heftiger.
Fortsetzung  kommende Woche ……

Wie versprochen die weiteren Ereignisse des Monats Oktober.-  An dem Tag,wo Sabrina die Pilzimpfung bekam,war noch ein für mich sehr schlimmes Ereignis. Wie üblich ,ich muss morgens durch den Auslauf der Minis, um in den Stall zu kommen,  schaute ich bei den Damen die Runde, begrüße sie, so weit sie da sind und….. was sehe ich ? Midnight, abgekämpft, zitternd und nicht mehr tragend!!! Sie hätte am Nikolaustag Termin gehabt.  Ich fand das Fohlen,ein kleines schwarzes Hengstfohlen,  noch in der Fruchtblase, im Stall. Das Fohlen war schon im Mutterleib gestorben.  Warum war es gestorben?  Midnight hatte nie Probleme während der Tragzeit, es war ihr erstes Fohlen.  Was war passiert? Warum war es tot? Ich war fertig und habe zuerst einmal die Stute versorgt und getröstet. Dann musste ich wie immer füttern und in meinem Kopf waren immer nur Fragen, Fragen. … Gegen Mittag kam die TÄ zur Impfung von Sabrina, ihr erzählte ich,was passiert war. So konnte sie mir auch nichts sagen und machte den Vorschlag, die Nachgeburt untersuchen zu lassen. Sie nahm sie mit und schickte es ins Labor. Das Ergebnis war nicht vor 10 Tagen zu erwarten,Tage,die endlos werden würden. Midnight ging es den Umständen nach ganz gut, sie brauchte zuerst ihre Freundin, die sie wie eine Mutter schützte. Ihr Hormonhaushalt musste sich wieder normalisieren und das war 1 Woche später, wo sie dann rossig wurde. Ich hatte in den gesamten Jahren meiner Eselzucht  bei keiner Jungstute  eine Totgeburt im 11. Trächtigkeitsmonat gehabt.  Ich beriet mich in den nächstem Tagen mit meinem TA. Wenn es  bestimmte  Bakterien waren,konnten sie nur von „außen“ kommen. Ich hatte ein weißes Hengstfohlen gekauft,später als Wallach hatte er noch einige Jungstuten „beglückt“. Die eine Jungstute wurde nicht tragend , die andere Jungstute in dem Stall war Midnight. Es ist die einzige mögliche Erklärung für meine Zuchtprobleme. Na ja, jetzt heißt es warten….

In der gleichen Woche wo Midnight rossig wurde, ist Guy endlich kastriert worden. Im Sommer habe ich es nicht machen lassen,weil dann die Fliegen eine größere Entzündung hervor gerufen hätten. So verlief alles ohne Problem – Guy wurde im Stehen kastriert.Die Blutgefäße wurden lange abgeklemmt, so dass keine Nachblutung zu erwarten war. ( Esel bluten nämlich stärker wie Pferde nach einer Kastration. Ein Verbluten ist möglich) So dauerte die Kastration eine halbe Stunde. Danach wurde er von mir mit Traumeel behandelt, 10 Tage später war die Schwellung weg. Auch in dieser Woche hatte ich 3 Patienten. Die dritte war – Witchy.  In ihrem Kehlkopfbereich fand ich ein Hühnerei – großes  Geschwür,Abszess oder Tumor. Langsam kam in mir die Angst. Mein 1.Minieselhengst war an einem Kehlkopftumor gestorben. TA angerufen,der dann meinte ,das es ein Lymphknotenabszess sein könnte und gab ihr Penicillin. 2Tage später bekam sie es noch einmal,der Abszess hatte sich schon verändert. Dann gab der TA mir den Rat,es mit Zugsalbe ein zuschmieren. Das würde das Ganze runter ziehen. Ich gab auch ihr Traumeel. Es wurde kleiner, aber der Abszess war noch lange nicht weg. Auch hier musste ich noch ein bis zwei Wochen warten. Mein Nervenkostüm wurde jetzt ganz gut strapaziert. Positives denken war angesagt, auch wenn es schwer fällt.

Die Ergebnisse kommen nächsten Monat…..